Thekenathleten – Interview mit der Band über Selbstkrönung und „Glückspilz EP“

Für alle Leser da draußen, die die Band Thekenathleten unter Umständen nicht kennen: Wer seid ihr, wie lange gibt es euch schon?

Giö: Wir als Band haben uns 2001 gegründet, damals waren wir 5 Kumpel/Freunde allesamt Skins, die sich schon länger kannten. In uns keimte der Wunsch eine Oi! Band ins Leben zu rufen. Man beschloss dann irgendwann zusammen Musik zu machen, erst mehr schlecht als recht, was zum ersten Demo führte.
Später dann das inoffizielle 1. Album „Für Sex, Erfolg und gutes Aussehen“ als CD.
Danach entschied man sich den Stil ein wenig zu ändern und beschritt fortan die Pfade des Punk Rock. Was 2006 zu einer Zusammenarbeit mit Bandworm/Asphalt Records in Form der „Unangenehm“ – Scheibe führte.
In der Zwischenzeit gab es ein paar Besetzungswechsel, die uns ein wenig zurückwarfen. Somit konnten wir erst 2016 die F.d.W. einspielen, die wir selbst veröffentlichten – mittlerweile in Vierer-Konstellation.
Wieder verließen uns Bandmitglieder, sodass wir 2019 einen neuen Bassisten (Andy) anlernen mussten. Seit 2019 besteht die jetzige Konstellation.
2020 dann die Geburt der „Glückspilz“ als 10 Inch Vinyl.

Könich: Am Anfang der Musiker-Karriere war der Bandname das Programm für jeden Anlass. Ab 2003 wurden dann die Stimmen laut und man wollte sich musikalisch und textlich neu orientieren. Mit dem 2. Demo 2004 ist das auch ansatzweise gelungen und der Stil der Band war In-die-Fresse-Punkrock, der mit jedem weiteren Album verbessert wurde. Das „Unangenehm“-Album ist aus heutiger Sicht leider nur Wischi Waschi im Vergleich zur „F.d.W.“ oder „Glückspilz“. Die derzeitige Band Besetzung ist nach nun 19 Jahren einfach nur spitze. Man kommt prima miteinander aus und entwickelt sich stetig weiter. Das war leider nicht immer so.

Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr euch zum ersten Mal begegnet seid und was ihr damals übereinander gedacht habt?

Giö: Da wir uns bereits kannten, stellte sich diese Frage nicht. Achim: Wir kannten uns ja nicht gleich. Wir sind ja immer zu Euren Konzerten gefahren und haben uns dadurch kennengelernt. Da hat man ja schon Sympathien für einander entwickelt. Aber zur damaligen Zeit, war ich ja noch faul am Schlagzeug. Erst als der damalige Drummer ausstieg, wurde ein Casting veranstaltet. Aber derjenige war so schlecht, dass ich erst aushilfsweise, dann aber fest dazu stieß. Und Andy möchte bestimmt auch etwas dazu sagen. Andy: Ich hab die Athleten das erste Mal im September 2019 auf ihrem Volljährig-Konzert gesehen. Später wollte es der Zufall, dass sie einen neuen Bassisten über Facebook suchten. Und ich hab mich halt gemeldet. Dann Proben, Studio, Video – der Rest ist Geschichte. Könich: Einige unserer Fans haben damals vor der Bühne die Kuh fliegen lassen und standen dann später tatsächlich bei uns im Proberaum. Mir fallen da Achim, Stramme oder Der da Lehm ein. Da wusste man vorher welche Laus man sich in den Pelz setzt.

Herzlichen Glückwunsch zu euer wirklich geilen Punkrock- Platte! Mir persönlich gefällt es richtig gut: guter Sound und fette Riffs gibt es auf die Ohren. Wie zufrieden seid ihr selbst mit eurem Werk?

Giö: Wir sind mehr als zufrieden mit den 4 Songs der 10 Inch. Es wurde alles so umgesetzt wie wir es wollten, sowohl akustisch als auch visuell. Achim: Erstmal vielen Dank. Wir sind sehr zufrieden mit der Platte, wobei man sagen muss, dass man mit solch einem Feedback in so einer Zeit nicht gerechnet hat. Denn die Leute kaufen ja quasi die Katze im Sack. Sie kennen 2 Lieder, weil diese auf YouTube laufen. Normalerweise würde man ja eine Record-Release-Party machen. Diese ist aber ausgefallen und so sind wir mehr als zufrieden mit der Resonanz der Leute.

Erzählt mal was über den Entstehungsprozess der EP…

Giö: Im November enterte Andy J. die Planken der T.A. Galeere und wollte mitrudern. Er mauserte sich schnell zum Taktgeber und verschaffte uns ordentlich Schub. Dies führte zum Studiobesuch, 10 Inch Veröffentlichung, 2 professionellen Videos und neuen Shirts. Achim: Man merkte schon, dass die Songs in eine andere Richtung gehen würden, als dass, was man von uns aus der Vergangenheit kennt. Das liegt natürlich mit an Andy, aber auch an unserer Reife und auch den musikalischen Geschmäckern. Wir hatten das Gefühl, dass man in der jetzigen Konstellation etwas völlig Untypisches machen kann. Und das haben wir dann einfach gemacht.

Welcher Song der CD liegt euch am meisten am Herzen?

Giö: Einen Song zu favorisieren ist schwierig, da sie alle unterschiedlich sind. Ich könnte mich auch nicht entscheiden, da ich zwischen „Glückspilz“ und „Antiathletische Aktion“ schwanke. Achim: Ich gebe Giö recht. Es ist sehr schwer sich für einen zu begeistern. Alle 4 Songs haben ihre Aha-Momente. Ich würde mich aber dennoch für „Militante Mütter“ entscheiden, weil der einfach näher an der Realität ist. Andy: Für mich eindeutig „Antiathletische Aktion“ – das Lied war unser Angstsong und ist erst im Studio fertig geworden, einige Ideen sind auch spontan erst im Studio entstanden. Könich: Mein Lieblingslied auf der „Glückspilz“-EP ist mit kleinem Vorsprung die Saga von den Militanten Müttern. Das Lied spricht mir aus der Seele und ist so schön unglaublich brutal.

„Militante Mütter“ ist ein sehr rasanter und textlich provokanter Song. Was möchtet ihr mit diesem Song uns mitteilen?

Giö: Es ist persönliches Erleben, viele von diesen Individuen denken, sie wären der Nabel der Welt. Klar ist es ok Mutter zu sein und auf seinen Nachwuchs zu achten, aber dann überall im Weg zu stehen und andere zu behindern ist fragwürdig. Die soziale Verrohung treibt seltsame Blüten, auch die M.M. sind maßgeblich daran beteiligt, da sie sich selbst zu wichtig nehmen. Wir prangern das an. Achim: Grundsätzlich hätte es in dem Song jeden treffen können. Der Song hätte auch militante Rentner, Fahrradfahrer, Autofahrer, Außerirdische heißen können. Die Mütter stehen also nur als Symbol für, wie Gio schon sagt, die Gesellschaft. Wenn man mal guckt, ist es irgendeine Personengruppe, die am wenigsten Rücksicht im öffentlichen Leben nimmt. Aber wiederum volle Rücksicht erwartet. Natürlich sind nicht alle so und man sollte dem Song auch mit etwas Augenzwinkern und Humor begegnen. Schließlich sind wir alle irgendwie militante Mütter.

Wo wurde euer aktuelles Musikvideo „Glückspilz“ gedreht? Und wie kam es zur Krönung eures Frontmannes?

Giö: Das Video wurde komplett in Halle gedreht, unter Mitwirkung von langjährigen Wegbereitern. Der Könich ist der Monarch der Arbeiterschaft, der sich eines Tages selbst krönte. Er wollte seine Untertanen in die Schranken weisen, inkl. seiner Bandmitstreiter. Nur einer widersetzt sich seit Jahren dieser Praxis, nämlich der renitente Giö. Achim: Wie es in einer guten Demokratie ist, krönt sich der Könich selbst. Wir sind halt nicht so stark, sehen nicht so gut aus und haben auch nicht so einen schönen Bauch. Deshalb ist er unser Könich. Und hätten wir ihn nicht, wäre auch sein Einmarschlied nicht entstanden. Könich: Als Könich (Musicvideo „Der Könich“) selbst ernannt und oft verkannt halte ich das Zepter fest in meiner Hand. Ich finde, ich war und bin ein guter Könich, der seine Untertanen stets gut behandelt. Nur einer in der Band hat mit meiner Unterdrückung bis zum heutigen Tage noch seine Probleme. Aber wenn ich demnächst meine Hyzüpei (Hypetzüchtigungspeitsche) im Proberaum schwingen lasse, wird ihm das Lachen schon noch vergehen. Ganz nach Kinski-Manier gibt es eine auf die Fresse du —Piiiieeep —. Ups jetzt habe ich mich ein bisschen vergessen.

Musicvideo „Glückspilz“


Wie oder Wo kann man „Glückspilz“ käuflich erwerben?

Achim: Bei uns, auf facebook.com/Thekenathleten2001 oder unter www.thekenathleten.com

Und da haben wir es auch schon geschafft. Hier ist noch etwas Platz für eure letzten Worte, Grüße oder was euch gerade einfällt…

Achim: Dankepopanke Andy: Wir sind natürlich immer auf der Suche nach Konzerten, Festivals oder Clubs, wo sich die Athleten von der Theke anständig präsentieren können. Live sehen kann man uns an diesen epischen Abend: 19.12.2020 in Bitterfeld in der Festung mit WK7 und Thoraxx (begrenzt auf ca. 200 Zuschauer). Weitere sind in Planung!  Giö: Grüße an alle, die uns kennen und trotzdem mögen.

Danke Thekenathleten für das kleine Interview mit Musicworld 

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